Januar 15

Tag 2 in Mannheim

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Langweiliger Lehrgang?

Nach meiner Ankunft gestern begann der Lehrgang schon zur Mittagszeit und…ich war alles andere als begeistert. Die vermittelten Inhalte gaben mir sofort das Gefühl, fehl am Platz zu sein. Es ist ein SAP-Grundlagenkurs und ich arbeite schon seit zwei Jahren mit SAP. Die Stimmung war im Keller.

Dementsprechend war auch heute Morgen meine Stimmung. Die Erwartungshaltung war de facto nicht mehr vorhanden und ich war im „Absitzen-Modus“ als der Unterricht begann. Das zog sich bis zur ersten Pause, dann traf ich eine Entscheidung: Beteilige dich am Unterricht! Das tat ich und es half. Der Vormittag verging wie im Flug und war nicht langweilig. Ich stellte spezifische Fragen, die zum Thema passten und die nicht direkt thematisiert wurden. Ich gab Antworten auf Fragen, die der Dozent stellte und ich gab den Teilnehmern gelegentlich Praxistipps, wenn sie thematisch passten.

Die Wende

Wie konnte ein Tag, der so beschissen angefangen hatte, sich so positiv entwickeln? Ich analysierte mein Verhalten. In der Pause, in der ich die Entscheidung traf, überlegte ich folgendes:

  • Ich wusste vorher, dass es ein Einsteigerlehrgang ist.
  • Ich wollte dennoch dorthin, weil ich genau auf meine spezifischen Fragen Antworten haben wollte. Ich wollte die Feinheiten lernen und nicht das Grobe (was ich ja schon kann).
  • Niemand hat mich zu diesem Lehrgang gezwungen. Ich habe ihn auf eigenen Wunsch beantragt und er wurde genehmigt.
  • Dass ich hier bin, ist kein Muss, kein Zwang, es ist ein Privileg!

Entscheidung vs. Erwartung

Als das klar war, traf ich meine Entscheidung und es funktionierte hervorragend. Es mag für den ein oder anderen selbstverständlich klingen, logisch. Hätte mir das einer erzählt, was ich gerade beschrieben habe, hätte ich auch gesagt: „Ja, natürlich. Wo liegt jetzt die besondere Erkenntnis?“

Sie liegt genau in dieser Erwartung, dass es selbstverständlich ist, denn genau das ist es nicht. Es ist nie selbstverständlich! Ich muss an meiner eigenen Geisteshaltung arbeiten. Ich nehme auch vieles als so selbstverständlich hin, dass ich mich selbst meiner Möglichkeiten beraube.

Für mich war es heute Morgen selbstverständlich, dass dieser Tag langweilig und ätzend werden würde. Als ich mir darüber klar wurde, dass ich allein es in der Hand habe, wie der Tag wird, wurde er großartig!

Erinnerungen

Die Mittagspause verbrachte ich mit einem kleinen Spaziergang über den Campus. Er liegt in unmittelbarer Nähe zum Mannheimer Flughafen und ein Flugzeug flog über mich hinweg. Das hat Erinnerungen an meine Kindheit in Frankfurt geweckt. Dort gehörten die Flugzeuge zu den Alltagsgeräuschen und sie fliegen beinahe im Minutentakt. In diesem Moment war es ein sehr vertrautes, aber auch lange nicht mehr gehörtes Geräusch. Die Erinnerung wurde lebendig und es fühlte sich gut an. Ein kleines bisschen Wehmut mischte sich unter die Erinnerung, getragen von dem Gefühl, dass ich eine sehr schöne Kindheit und Jugend hatte.

Ja, die Zeit ist vorbei. Schade. Aber die Erinnerung ist da und sie trägt. Ich mag diese Momente und sie geben Kraft. Sechs Wochen Krankschreibung konnten meine „depressive Verstimmung“ nicht so kurieren, wie es diese nicht einmal zwei Tage, die ich bisher unterwegs bin, vermochten. Für mich eine weitere Erkenntnis.

Hauptsache raus

Es muss kein großer Urlaub sein. Ein Ortswechsel – und sei es nur für einen Tag – genügt mir, um die Batterien aufzuladen, mich zu erden, wieder zu mir zu finden. Je öfter ich mir diese kleinen Fluchten gönne, desto leichter fällt es mir, nicht in den Alltag zu verfallen, sondern ihn zu etwas Besonderen zu machen. Tag für Tag. Nicht gestern, nicht morgen – heute!

Ein Spiel aus Licht und Schatten

Beflügelt von der schönen Wendung des Tages, beschloss ich am Abend die Winterlichter im Luisenpark zu besuchen. Die Tickets waren online schnell bestellt und so ging es um 18 Uhr los. Ich mag das Zusammenspiel von Licht und Dunkelheit. Es ist beeindruckend, was man mit Illumination machen kann. Als ich den Park betrat und die ersten Effekte sah, war ich sofort gefesselt. Beleuchtete Bäume und Pflanzen. Skulpturen durch Licht in Szene gesetzt. Es war schier umwerfend.

Bilder, die erst durch die Verwendung von Schwarzlicht zur Geltung kamen. Videos, die auf eine Wasserfontäne projiziert wurden, bewegliche Dinosaurier, die durch Licht und Ton in Szene gesetzt waren und eine kleine Kolonie lebender Pinguine, deren Gehege illuminiert war. Sie schauten uns Besucher genauso neugierig an wie wir sie. Die Liste der Sehenswürdigkeiten schien nicht enden zu wollen.

Eindrücke verarbeiten

Über allem thronte der Fernsehturm Mannheims, der wie ein stiller Wächter einfach dastand. Es waren eine Menge Besucher da und ihr staunendes Stimmengemurmel verlieh dem Ganzen einen schönen Rahmen. Die Ausstellung war gut aufgeteilt und weitläufig, sodass es, trotz der vielen Menschen, keinen Volksfestcharakter hatte. Ich konnte mich frei bewegen und fühlte mich in der Sicht auf die Exponate nicht eingeschränkt. Die Atmosphäre war ruhig, beinahe meditativ. Immer wieder waren beruhigende Klänge aus Lautsprechern zu vernehmen.

60-90 Minuten waren laut Informationsblatt für die Ausstellung einzuplanen. Ich war zwei Stunden vor Ort. Ich habe sehr viele Bilder gemacht, wollte aber nicht wie ein “Sammler“ nur auf Bilderjagd gehen. Immer wieder saß ich auf Parkbänken und genoss in Ruhe die Atmosphäre. Immer wieder hielt ich inne, um mir Details genau anzusehen.

Ermüdung

Als ich wieder am Eingang ankam, überlegte ich, ob ich die Runde noch einmal gehen sollte. Ein Blick auf die Uhr verriet mir zwei Dinge: Ich hatte nur noch eine Stunde Zeit, bevor die Ausstellung schloss und ich war heute knapp 10 Kilometer zu Fuß unterwegs. Eine Strecke, die ich nach dem Bänderriss noch nicht wieder bewältigt hatte. Ich spürte meine schmerzenden Füße und mein Rücken tat weh. Auf der Suche nach guten Perspektiven für die Bilder ging ich immer wieder in die Knie, streckte mich für Überkopfaufnahmen und musste mich auch sonst in ungünstige Körperhaltungen verrenken. Das alles spürte ich und ich entschloss mich dazu, ins Hotel zurückzukehren. Eine heiße Dusche ließ mich körperlich ein wenig entspannen und der darauffolgende Schlaf war so gut, wie lange nicht mehr.

Ein ereignisreicher, gelungener Tag, der am Morgen noch völlig anderes erwarten ließ.


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