Oktober 27

Oberammergau II – Spartanisch, aber saugut!

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Warum eine Nacht im Auto, Regen und 600 Kilometer Fahrt manchmal genau das sind, was wir brauchen.

Ankunft mit Geschichten im Gepäck

Ich habe meine Tochter besucht. Mal wieder. Diesmal ohne Frau, aber nicht allein - beste Freundin meiner Tochter dabei. Eine sehr duldsame und wohlerzogene junge Dame, wie sich herausgestellt hat. Immerhin hat sie es über das Wochenende rund 14 Stunden klaglos mit einem alten, krebskranken Sack wie mir im Auto ausgehalten. Keine Selbstverständlichkeit.

Los ging die Reise am Freitagmittag. Erstes Ziel war Frankfurt. Wir mussten ein Fernsehgerät für meine Tochter bei meinen Eltern abholen. Der Besuch war kurz – leider. Aber es lagen noch 500km Autofahrt vor uns.

Weiter ging es dann nach Oberammergau. Wir unterhielten uns gut. Ich hatte versucht ihr nicht allzu sehr auf die Nerven zu gehen und sie gab mir das Gefühl, dass es einigermaßen gelungen ist. Sie ist in ihrem jungen Leben noch nicht viel gereist und ich konnte die Aufregung und Freude förmlich spüren.

Frankfurt war schon ein Highlight, da sie noch nie dort war. Als sie die Alpen dann zum ersten Mal live gesehen hatte, erlebte ich völlige Sprachlosigkeit. Der Reisegott meinte es gut mit uns. Wir fuhren durch eine herrliche, in Herbstfarben getauchte Landschaft und die untergehende Sonne beschien die zugeschneiten Berggipfel. Ein gigantisches Naturschauspiel. Auch ich, der ich schon viel gesehen hatte, konnte mich nicht sattsehen.

Nach rund 8 Stunden Reisezeit kamen wir an und die Wiedersehensfreude war groß. Wir hatten unterwegs eingekauft und so konnten wir auf ihrem Zimmer eine fast bayrische Brotzeit zu uns nehmen.

Die erste eigene Bude

Die Freundin meiner Tochter staunte, als sie die Unterkunft meiner Tochter sah. Nach unserem ersten Besuch Anfang Oktober, staunte ich nicht weniger.

Es ist die „erste eigene Bude“ meiner Tochter und es sah auch genauso aus. Halb chaotisch, halb in Ordnung, war es genau das Spiegelbild einer Teenagerin, die ihre ersten unabhängigen Gehversuche in der Welt der Erwachsenen unternahm.

Ich freue mich für sie und ich empfand ein bisschen Wehmut. Erinnerte mich das Ganze, an mich und meine ersten Gehversuche, als ich als junger Mann in der Kaserne wohnte. Ich empfand aber auch unglaublichen Stolz – auch auf meinen Sohn.

Unsere Kinder verlassen, allmählich das Elternhaus und gehen ihren eigenen Weg – und sie machen ihre Sache gut.

Hotel Touran – der treue Familienbegleiter entwickelt sich zum Allrounder

Ich hatte mich schon im Vorfeld dazu entschieden, nicht im gleichen Zimmer, wie die Mädels zu schlafen. Ihre Privatsphäre war mir wichtig. Also stand fest: Ich schlafe im Auto. Nächtliche Temperaturen um 0°C, immer wieder Regen, kalter Atem auf den Scheiben. Ungemütlich? Mitnichten!

Aus meiner Reise in den Norden hatte ich einige Erfahrungen mitgebracht. 100% blickdichte Scheibenverdunklungen, ein Behälter für die Notdurft. Ein echter Game-Changer, wie sich herausgestellt hat und diese beiden Utensilien stehen jetzt fest auf meiner Packliste für künftige Reisen.

Ich hatte auch einen winterfesten Schlafsack dabei, der sehr gute Dienste leistete. Ebenfalls eine schmerzliche Erfahrung an der Nordsee war die Nacht, in der meine Luftmatratze sämtliche Luft verlor und ich mitten in der Nacht, die Matratze wieder aufpusten musste. Für diese Reise hatte ich eine selbst aufblasende Isomatte dabei. Ich habe sie wie einen Topper auf die Luftmatratze gelegt. Nicht nur, dass sie für zusätzliche Wärme von unten sorgte, sie lies mich auch beruhigt weiterschlafen, als in der zweiten Nacht wieder die Luft aus meiner Luftmatratze das Weite gesucht hatte.

Ein Ausflug mit erschwerten Wetterbedingungen

Ursprünglich wollte ich samstags zu Fuß zur Dammkarhütte bei Mittenwald wandern. Mit Außenbandriss unmöglich. Die Damen wussten auch nicht so recht, was sie bei dem Wetter unternehmen sollten. So beschlossen wir spontan die Gegend mit dem Auto zu erkunden. Unser erstes Ziel: Garmisch-Partenkirchen. Wir hielten an der Sprungschanze, anschließend die Zugspitze und der Eibsee. Die Eindrücke dort waren auch für mich überwältigend. Die Gipfel waren mit deutlich mehr Schnee als noch vor 3 Wochen bedeckt.

Ein Apfelstrudel als Sinnbild einer Reise

„Ich glaube ich hatte gerade den besten Apfelstrudel meines Lebens.“, sagte die Freundin meiner Tochter. Ich konnte ihre Eindrücke fast greifen und es war schön mitzuerleben, wie ein junger Mensch entdeckt, dass Reisen mehr ist als ein All-Inclusive-Urlaub am Meer. Ich spürte, dass sie verstand, worum es beim Reisen geht.

Ich konnte auch den Stolz meiner Tochter, ihrer Freundin ihr neues Leben näher zu bringen, förmlich mit Händen greifen. Es sind die ersten Versuche eine Freundschaft über die Veränderungen des Lebens hinweg zu erhalten. Ich war überglücklich daran teilhaben zu dürfen und es ist mir ein Bedürfnis die Verbindung zur Jugend nicht zu verlieren. Ich spüre in meinem Alter zunehmend, das dies kein Automatismus mehr ist.

Der Dammkarhütte doch noch ganz nah

Ein letztes Ziel für diesen Tag war Mittenwald. Karwendel, Dammkarhütte – wenigstens vom Tal aus. Es war so neblig, dass man zwar mit bloßem Auge den Weg zur Hütte sehen konnte, aber es gelang mir nicht diesen Anblick auf Foto zu bannen. Der Nebel war zu dicht und die Entfernung zu groß.

Der majestätische Anblick des Karwendel war für uns alle sehr beeindruckend. Auch das schöne Türkis der Isar wurde auf Bildern festgehalten und die Damen kamen mit den Instagram-Stories kaum hinterher.

Abends haben wir den Tag mit einem Restaurantbesuch bei einem guten Schnitzel ausklingen lassen und ich verbrachte die zweite Nacht im Auto.

Die Abreise

Am nächsten Morgen gab es noch ein Frühstück mit frischen Brötchen und Croissants aus dem Ofen. Ich habe letzte väterliche Aufgaben erfüllt, dann hieß es schon wieder „Abreise“. Der Abschied fiel wie immer schwer, aber allen war klar: das war nicht der letzte Besuch.

Die Heimfahrt verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle und wir kamen nach etwas mehr als 6 Stunden an.

Fazit

Sonntagmorgen: frische Brötchen, Croissants aus dem Ofen. Ein letzter Handgriff am Fernseher, letzte väterliche Pflichten – dann Aufbruch.

Der Abschied fiel schwer, aber wir wussten alle: das war nicht das letzte Mal. Sechs Stunden Heimfahrt, ohne Zwischenfälle. Zeit zum Nachdenken.

Diese Reise hat mich wieder ein Stück verändert. Sie hat mir gezeigt, dass die Alpenüberquerung kein Spaziergang wird – und dass jede Herausforderung, die uns Respekt abverlangt, genau die ist, die uns wachsen lässt.

Nichts bewegt mich mehr, als das Reisen und ich bin froh, diesen Weg für meinen letzten Lebensabschnitt gewählt zu haben. Ich konnte viele Gedanken und Ideen notieren, die in mein Buch, dass ich gerade schreibe, einfließen sollen.

Und dann kam noch eine schöne Wendung: Meine Frau brachte die Idee zurück, den Jakobsweg zu gehen. Vielleicht wird das unser gemeinsames Abenteuer.

Wie waren eure Reisen?

Die jetzige Reise fand am Ende der Herbstferien in Rheinland-Pfalz statt. Ich weiß, viele von euch waren auch im Urlaub. Eine Mallorca-Reise, eine Kreuzfahrt – was habt ihr bereist? Welche Eindrücke habt ihr gesammelt? Schreibt und teilt es gerne in den Kommentaren. Lasst die Daheimgebliebenen daran teilhaben.


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