Entgegen dem, was ich so in meinem Umfeld, den sozialen Medien und im Fernsehen so wahrnehme, war mein Jahr 2025 fantastisch! Es war so viel los. Es wurde nie langweilig. Vor allem aber:
Ich habe es überlebt! Ich atme noch. Ich schreibe noch und ich fühle mich gut.
Es war von Anfang an eine Achterbahnfahrt. Auf Hochgefühl folgte Absturz. Ich rappelte mich wieder auf. Kämpfte mich wieder nach oben...um wieder abzustürzen. Ein Kreislauf, der sich kaum zu den Jahren davor unterscheidet. Wenn ich ehrlich bin, lief mein gesamtes Leben so ab – und dafür bin ich sehr dankbar.
Ich brauche diese starken Kontraste. Ich brauche das Scheitern, weil ich davon überzeugt bin, dass ich nur im Scheitern wirklich lernen kann. Es sind die Niederlagen im Leben, die mich vorangebracht haben. Die Siege fühlten sich gut an, aber die Freude darüber verflog immer rasch. Ein Sieg ist nichts wert. Der Weg dorthin ist meine Herausforderung. Das Erreichen eines Ziels zerstört den Weg, zerstört die Aufgabe, zerstört die Herausforderung.
Der Absturz, die Niederlage, das Scheitern – der Schmerz, der daraus entsteht, schärft meine Sinne. Was kann ich tun, um es künftig besser zu machen? In welche Richtung orientiere ich mich jetzt? Hat mich die ganze Episode weitergebracht? Wenn ja, wie?
2025 hatte alles für mich: die Midlife-Crisis, die mich richtig durchgerüttelt hat. Existenzängste, Sinnfragen, die Frage: ‚War das wirklich alles oder kommt da noch was?‘ Lasst euch gesagt sein: Die Antworten, die mir auf diese Frage eingefallen sind, sind großartig und beängstigend zugleich.
Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. So verlief mein Jahr 2025 allein durch die Midlife-Crisis – und der Onkel Doktor musste mehr als einmal den Rezeptblock beschriften. Dazu kam die Krebsdiagnose, die alle bisherigen Erkrankungen völlig in den Schatten gestellt hat. Auch hier fahre ich munter auf der Gefühlsachterbahn. Es kostet Kraft. Es kostet Substanz und es ist alles andere als ein Selbstläufer positiv zu bleiben.
Ich sehe morgens meine Augenringe im Spiegel und vermute heimlich mit den Panzerknackern verwandt zu sein. Regelmäßig schlafe ich schlecht. Immer wieder Nächte, in denen ich mit 4 Stunden Schlaf auskommen muss, weil das Kopfkino nicht aufhört. Mein Kopf rast und findet keine Ruhe.
Dem gegenüber stehen zwei Dinge, die mir helfen wieder Ruhe zu finden: Schreiben und Reisen. Hier finde ich Ruhe, Zufriedenheit, Lebenssinn – und noch etwas ist ganz entscheidend: Ich habe eine Familie, die mich trägt. Ich habe Freunde, die mich wieder zurück auf Kurs bringen, wenn ich mal wieder off track davon galoppiere.
Ja, 2025 hatte wirklich alles. Viele Menschen sind 2025 auf der Strecke geblieben. Materielles ist aus meinem Fokus verschwunden. Neue Ideen bestimmen jetzt mein Leben. Nur Struktur…die fehlt noch. Es läuft alles noch etwas chaotisch, unkoordiniert und vielleicht auch etwas ziellos ab.
Ich war noch nie ein Fan von Neujahrsvorsätzen, aber ein Vorhaben für 2026 habe ich dann doch: Ich arbeite weiter daran, mein Leben der neuen Situation anzupassen. Ich übe mich weiter darin im Moment zu leben (was gar nicht mal so einfach ist, wie es klingt und wie es vielleicht nach außen manchmal erscheinen mag). Wenn ich das Jahr 2026 lebend verlasse, dann ist allein dieser Umstand schon ein Erfolg. Kann ich dann auf 2026 zurückblicken und sagen: ‚Ich habe mich bewegt und bin nicht stehengeblieben.‘, dann würde mich das sehr glücklich machen.

Sehr schön geschrieben und eigentlich für so viele Menschen zutreffend! Nur leider erkennen das die meisten Menschen eben nicht!
Wir sitzen alle auf einem hohen Ross mit Ansprüchen an andere, an sich selbst, an das Leben. Wir erwarten noch schneller, noch höher, noch weiter und vergessen, dass das Leben eben in genau diesem Momenten besteht, wenn wir Pläne für die Zukunft machen.
Augen auf! Du atmest, du fühlst, du lebst…embrace life. Embrace YOUR f… life!
"Life is what happens while you're busy making other plans."
Ich danke dir vielmals. Zutreffend für so viele? Vermutlich schon. Aber dass sie es nicht erkennen, ist nicht zwingend ein negativer Umstand. Ich musste fast 50 Jahre alt werden und in diesen 50 Jahren einiges einstecken (und austeilen) bis ich erkennen konnte.
Die zu sehen, die es nicht erkennen, kann negativ sein, weil sie es nicht erkennen. Es kann aber auch sehr, sehr positiv sein, denn überleg mal, wieviel Potenzial da draußen rumläuft. Irgendwann wird ein Teil von denen erkennen – und wer weiß: vielleicht ist einer dabei, der daraus etwas schaffen kann, was die Welt nachhaltig verbessert. Vielleicht nur im Kleinen. Vielleicht entstehen viele, die über die Erkenntnis im Kleinen etwas bewegen – und in Summe etwas Großes. Wer weiß?
Ich freue mich jedenfalls über jeden, der sich hierher verirrt und noch mehr freue ich mich, wenn es mir gelingt, dass ich zum Nachdenken anrege. Bewusstes Leben – nicht blind umher stolpern.