Dezember 2

Trauriger Anlass und ein heilsamer Ort

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Hinreise und Übernachtung im Auto

Nur eine Woche nach der Reise nach Oberammergau mit dem Deutschland-Ticket, bin ich wieder hier. Diesmal mit dem Auto. Der Anlass ist traurig. Eine Beerdigung im engsten Familienumfeld steht an und ich muss meine Tochter abholen, damit sie daran teilnehmen kann. 40cm Neuschnee sind innerhalb von 2 Tagen gefallen – das ist selbst für hiesige Verhältnisse nicht wenig.

Ich beschloss einen Tag früher zu fahren, da ich nicht abschätzen konnte, was mich hier verkehrsmäßig erwarten würde. So fuhr ich am Mittwochnachmittag los. Bis ca. 30 Kilometer vor Oberammergau war von Schnee keine Spur. Doch dann kam es schlagartig. Ich war überwältigt von den Schneemassen. Ich kann mich nicht daran erinnern, je so viel Schnee gesehen zu haben.

Brauner VW Touran auf einem Hausparkplatz, seitlich aufgenommen, bereit für die Abfahrt Richtung Oberammergau.

Startpunkt der Winterreise früh am Morgen zuhause.

Dennoch kam ich gut durch und der Touran sollte sich einmal mehr als sichere Übernachtungsmöglichkeit erweisen. Einzig die Luftmatratze hat mich – mal wieder – im Stich gelassen. Ich denke, dass sie nun endgültig das Zeitliche gesegnet hat. Trotzdem fand ich bei -4°C Außentemperatur rund siebeneinhalb Stunden Schlaf. So gut und lange schlafe ich zu Hause im warmen, gemütlichen Bett selten.

Der Morgen war wie ein Traum. Der Schnee, die Berge, die Straßenbeleuchtungen und der Weihnachtsschmuck an den Häusern – selten habe ich mich so geborgen gefühlt. Ich habe mich in dem Moment in die Alpen verliebt, als ich sie zum ersten Mal in meinem Leben gesehen habe. Heute finde ich augenblicklich inneren Frieden, wenn ich sie sehe. Die majestätische Größe ihrer Gipfel zeigen mir, wie klein ich wirklich bin – und mit mir werden auch meine Probleme verschwindend klein.

Hierher zu kommen, fühlt sich wie ankommen an. Jedes einzelne Mal. Ich sitze gerade in einer Bäckerei. Hatte Frühstück, Kaffee und jetzt eine heiße Schokolade. Gleich geht’s raus. Ich will die Atmosphäre aufsaugen. Zu Fuß durch die Schneelandschaft gehen. Die Zeit nutzen, bevor wir heute Nachmittag Richtung Heimat fahren und morgen einen Menschen beerdigen müssen, der jetzt schon fehlt. Der Gedanke daran löst ein Gefühlschaos aus, aber beim Blick auf die Berge, finde ich augenblicklich wieder Ruhe und bin froh, dass ich das Privileg genießen kann, dieses Leben leben zu dürfen. Es stellt sich ein Gefühl in mir ein, dass ich erst vor kurzem zu empfinden gelernt habe: Demut.

Sightseeing

Ich habe Zeit ohne Ende. Das Auto habe ich schon wieder aufgeräumt und Sightseeing erscheint mir angemessen. Ich fahre nach Garmisch und Mittenwald. Ich habe die Hoffnung ein paar schöne Schnappschüsse machen zu können. Obwohl die Landschaft schön aussieht, spielt das Wetter nur bedingt mit. Nebel. Also fahre ich wieder zurück.

Mittags treffe ich mich mit meiner Tochter an der Schule. Sie strahlt bis über beide Ohren. Ich gebe ihr ein Croissant und eine Butterlaugenbrezel in der Mittagspause. Sie hatte nichts mehr zu Essen im Haus. Wir besprechen den weiteren Ablauf, und verabreden uns dann für die Rückfahrt. Sie freut sich auf zu Hause. Sie hat sich ein neues Telefon und Kopfhörer bestellt. Ich habe beides mitgebracht und sie kann sich während der Heimfahrt intensiv damit beschäftigen.

Rückseite eines blauen Kia mit Aufkleber „Feuerwehr Monreal“ am Heck in Oberammergau.

Ich verbringe die Zeit bis dahin wieder im Café. Es ist ein gemütlicher Ort mit Blick auf die Berge und ich schreibe noch ein wenig – genieße meinen Kaffee. Ein Stück zu Hause holt mich ein. Auf dem Parkplatz steht ein Auto mit einem Aufkleber „Feuerwehr Monreal“. Nicht zu glauben. Hunderte Kilometer von zu Hause entfernt.

Der Himmel ist strahlend blau. Nur über die Gipfel sind in ein paar wenige Wolken gehüllt. Der Winterdienst fährt schon wieder vorbei. Sie sind wahre Meister ihres Fachs. Selbst kleine Nebenstraßen sind hier zügig geräumt und es gibt kaum Probleme beim Autofahren. Das hatte ich gestern Abend schon feststellen können.

Halbmond am blauen Winterhimmel über einer verschneiten Bergkuppe in Oberammergau, eingerahmt von sonnenbeschienen Tannen.

Ein klarer Wintermorgen mit Mond über der schneebedeckten Bergspitze.

Rückfahrt

Sechs Stunden Rückfahrt liegen vor uns, als meine Tochter um viertel vor vier aus dem Unterricht kommt. Wir luden ihr Gepäck ein und los ging die Fahrt. Durch die schneebedeckte Landschaft ging es zunächst Richtung Augsburg. Doch schnell empfahl und das Navi eine Ausweichroute. Stau rund um Augsburg. Also fuhren wir über Ulm und zunächst sah alles gut aus. Meine Tochter beschäftigte sich mit den neuen Kopfhörern und ihrem neuen Telefon. Ich hörte weiter das neue Hörbuch von Dan Brown „The Secret of Secrets“. Bis Stuttgart geht es sehr schleppend voran. Baustellen, Unfälle und die früh einsetzende Dunkelheit haben die Fahrt zäh gemacht. Dann zeigt uns das Navi an, dass wir rund um Pforzheim West mit 40 Minuten Verzögerung rechnen müssten.

Die angepeilten 6 Stunden Fahrtzeit – kaum noch zu halten. Dann endlich: die A61. Die letzten rund 200 Kilometer und es herrscht wenig Verkehr. Ich spüre, dass mir das Fahren bei Dunkelheit schwerfällt. 1200 Kilometer binnen 24 Stunden? Ich merke, dass das künftig nicht mehr so ohne Weiteres funktionieren wird. Ich mache mir unterwegs Gedanken: Ist das der Preis des zunehmenden Alters oder haben die Krankheiten Einfluss darauf? Ich komme zu keinem Ergebnis und lasse die Gedanken los.  Am Ende waren wir 10 Minuten schneller, als das Navi ursprünglich berechnet hatte. In Anbetracht der Verkehrslage nicht übel. Hundemüde falle ich ins Bett. Ich denke an die schönen Eindrücke aus den verschneiten Alpen und schlafe ein.

Brauner VW Touran auf einem Hausparkplatz bei Nacht, aufgenommen nach der Rückfahrt aus Oberammergau.

Ankunft am späten Abend nach der langen Winterfahrt.


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